Merkel und der Gauck´sche Algorhytmus
Am Ende war es einmal mehr die FDP, die das Zünglein an der Wage spielte und Joachim Gauck, einen ehemaligen DDR-Staatsrechtler und evangelischen Theologen in höchste Staatsamt der Bundesrepublik Deutschland beförderte.
Sicher, die offizielle Einführung in das Amt des deutschen Bundespräsidenten findet erst am 18. März statt – und bis dahin soll Bundesratspräsident Horst Seehofer (CSU) auch weiterhin die Fäden in der Hand behalten. Dennoch ist jetzt schon klar, dass Gauck der offizielle Nachfolger Christian Wulffs werden wird; aufgrund fehlender Gegenkandidaten.
Ja, Gauck, bei der Bundesversammlung 2010 Christian Wulff noch im dritten Wahlgang unterlegen – dem damaligen Kandidaten von Union & FDP, wurde nun zu einem gemeinsamen Kandidaten von CDU, SPD, FDP und Grünen erklärt – und genau das sorgt für mächtg Ärger innerhalb der Regierungskoalition – denn:
Die Bundeskanzlerin, soviel ist bislang bekannt, ist ursprünglich gegen Joachim Gauck gewesen – aus Angst, ihr könne eine Zusage für einen Kandidaten, den sie vor anderthalb Jahren ausdrücklich verhindern wollte, Verluste in puncto Macht, Glaubwürdigkeit und vor allem Wählerstimmen bedeuten. Sie wurde nun von der FDP im wahrsten Sinne des Wortes erpresst.
Die Regierung schlittert damit unweigerlich ihrem dramatischen Ende entgegen – die Frage bleibt nur, ob dieses Ende im September 2013 oder vielleicht doch schon eher eingeleitet wird.
Eines jedenfalls ist gewiss: Die FDP wird durch die Aktion auch ihre letzten Verbündeten aus dem liberalen Lager vertrieben haben.
Soweit hierzu,
euer Nicholas Eiffert
Unser Star für Bellevue
Nach dem unrühmlichen Abtritt Christian Wulffs und dessen Ehefrau Bettina, beginnt nun in der Regierungskoalition um CDU, CSU und FDP, sowie in der Opposition, die Suche nach einem Nachfolger – jemandem, der das beschädigte Amt welches die beiden zurückgetretenen Präsidenten Horst Köhler und besagter Christian Wulff seit 2010 nun hinterlassen haben, wieder zu neuem Vertrauen im In- und Ausland führen kann.
Schnell ist man in Berlin im Gange sämtliche potentielle Kandidaten aufzuzählen: Darunter Ursula von der Leyen, Wolfgang Schäuble oder Thomas de Maiziere. Allesamt Personen auf der politischen Bühne, die scheinbar jede Aufgabe, die man ihnen im Kabinett Merkel übertragt, übernehmen und im Sinne der breiten Masse in der Bevölkerung ausüben können.
Schäuble, 1984 zum „Bundesminister für besondere Aufgaben“ berufen, von 1989 bis 1998, sowie von 2005 bis 2009 als Bundesinnenminister und nun seit 2009 als Bundesfinanzminister tätig, scheint nicht nur so zwischen den verschiedenen politischen Kernressorts hin- und herzuwechseln, sondern wäre von allen potentiellen Kandidaten wohl der am Wenigsten geeignete.
Denn: Auch er ist, wie der bisherige Amtsinhaber Wulff durch einen Skandal vorbelastet.
So nahm er, im Rahmen der CDU-Parteispendenaffäre im Jahr 2000 eine Parteispende in Höhe von 100.000 DM (umgerechnet 51.129,18 EUR) von Karlheinz Schreiber, einem inzwischen wegen Steuerhinterziehung verurteilten Waffenhändler entgegen.
Ursula von der Leyen, Tochter des ehemaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht, ist ebenfalls wie Schäuble, Mitglied der CDU und scheint auch ihr politisches Wirkungsfeld, wie die eigene Unterwäsche nach Belieben wechseln zu können:
Nach der Ausübung des öffentlichen Amtes als Bundesfamilienministerin von 2005 bis 2009, übernahm sie noch zu Beginn der zweiten Legislaturperiode Angela Merkels, die Geschäfte des damaligen Bundesarbeitsministers Franz Josef Jung, welcher seinerseits aufgrund von Verstrickungen in die sog. Kunduz-Affäre aus seiner Zeit als Bundesverteidigungsminister in der vorherigen Legislaturperiode, sein Amt nach nur 33 Tagen niederlegen musste und übergab ihr bis dato ausgeübtes Ministerialamt an Kristina Schröder.
Zwar ist sie bis zum heutigen Tag skandalfrei durch ihre politische Laufbahn gegangen, doch scheint sie mir aufgrund ihrer früheren Versuche, ein sog. Zugangserschwerungsgesetz zu verabschieden, welches bei breiten Massen unserer Bevölkerung auf Ablehnung stieß und zu Demonstrationen führte, da diese sich um die Freiheit des Internets sorgten, die falsche Kandidatin zu sein – gerade zum jetzigen Zeitpunkt, zu dem ohnehin gegen das „Anti-Counterfeiting Trade Agreement“ (kurz: ACTA) demonstriert wird, welches ähnliche Ziele verfolgt.
Thomas de Maiziere, ebenfalls Mitglied von Merkels aktuellem Kabinett, erst als Bundesinnenminister, später als Nachfolger Theodor zu Guttenbergs (CSU) Bundesverteidigungsminister, nachdem jener aufgrund einer Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit zurücktreten musste, sollte meiner Meinung nach erst einmal eine volle Amtszeit in einem Ministerium verweilen, bevor man ihn zu einem geeigneten Kandidaten für das höchste Staatsamt erklärt. Schließlich hat er sein aktuelles Amt erst am 3. März 2011 von zu Guttenberg übernommen.
Weitere Kandidaten seien Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), der ehemalige Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz Wolfgang Huber, als auch Wulffs damaliger Kontrahent bei dessen Wahl zum Bundespräsidenten Joachim Gauck.
Sicher allesamt Personen, denen die Ausübung zuzutrauen wäre. Jedoch sollte man in Berlin gewarnt sein, denn:
Lammert wäre eine Wahl Merkels und somit nach Köhler und Wulff, der dritte Präsident, der ihr und ihrem politischen Konzept in die Karten spielt. Versagt auch er, ist das System Merkel am Ende und mit ihm das Vertrauen in die Demokratie.
Huber ist Theologe und würde in gewisser Hinsicht einen Rückschritt in Sachen politischer Entwicklung mit sich bringen. Anhänger anderer Weltreligionen könnten sich von einem christlichen Geistlichen eventuell ungenügend vertreten fühlen. Zudem brisant für die Auslandswirkung ist, dass dessen Vater Ernst Rudolf Huber einer der führenden Verfassungsrechtler und Verteidiger der NS-Diktatur unter Adolf Hitler war.
Gauck, der letzte im Bunde wäre von allen Kandidaten meiner Meinung nach der Beste. Jedoch müsste sich Merkel mit ihrem Einverständnis an eine gemeinsame Präsidentschaftskandidatur Gaucks eingestehen, dass sie persönlich in ihrer Wahl Christian Wulffs vor anderthalb Jahren einen Fehler begangen hat.
Man sollte in Berlin vielmehr über den Tellerrand hinaus schauen und andere Kandidaten in den Pool potentieller Bundespräsidenten hinzufügen. Jens Böhrnsen, der Bremer Bürgermeister beispielsweise, der das Amt kommissarisch schon nach Köhlers Rücktritt ausübte, scheint mir ebenfalls ein guter Kandidat zu sein. Aber dieser wird in der Debatte ja gar nicht berücksichtigt.
Immerhin ist der Rücktritt Wulffs schon einmal geglückt. Wir sind auf dem richtigen Weg!
Bis dahin,
euer Nicholas Eiffert
“Skibb it” – Der Gipfel der Leistungsgesellschaft
“Skip it” – auf nahezu jeder Internetseite springen uns fortwährend irgendwelche in Flash programmierten Werbebanner oder Werbevideos entgegen, die man mit einem einzigen Klick überspringen kann. Oftmals ist dann auf Englisch “Skip it” zu lesen.
In der Hauptstadt scheint man mit dem “Spelling”, wie man heutzutage auch teilweise in Deutschland so schön zu sagen pflegt, jedoch einige Schwierigkeiten zu haben, denn dort wird beim Fußball-Bundesligisten Hertha BSC nach nur 6 Wochen der zweite Trainer entlassen – Nein, kein Interimstrainer, sondern Michael Skibbe, einer der professionellen Cheftrainer im europäischen Clubfußball.
Da kommt doch glatt die Frage auf: Ist es tatsächlich die Schuld von Trainer Skibbe, dass die Berliner Bundesligamannschaft in allen 5 Spielen unter ihrem Übungsleiter, der für die Chance den Hauptstadtfußball mitzuprägen, sogar sein erfolgreiches Engagement in der Türkei beendete, jedes Mal verlor? Oder ist es eventuell das Management um Sportdirektor Praetz, der letztlich für die Konzeption der Mannschaft im vergangenen Sommer die Verantwortung zu tragen hat?
Ich würde sagen, eher letzteres, aber nicht ausschließlich, sondern in Kombination mit überzogenen Erwartungen an einen Verein, der als Aufsteiger, wie es nunmal üblich ist, gegen den Abstieg zu spielen hat – auch wenn man vor einigen Jahren fast noch Deutscher Meister geworden wäre – unter Lucien Favre, der heute in Mönchengladbach erfolgreich ist.
Auch er, Favre, schied bei den Berlinern nach einer Niederlagenserie aus dem Amt – und die Gegenwart belehrt Praetz, der auch Favre entließ eines Besseren. Nicht die Trainer sind das Problem, sondern das Management und das Umfeld.
Denn überzogene Erwartungen, wie sie in unserer Leistungsgesellschaft leider Gottes gang und gäbe sind, bilden zum Einen das Fundament dafür, heutzutage kaum noch jemandem die Chance zu geben, Fehler oder Missstände durch eigenes Können wieder hinzubiegen und schließen teilweise intelligente Menschen aus unserer näheren Gesellschaft aus, die bei richtiger Handhabe und etwas Vertrauen, unter Umständen dazu fähig wären, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.
Selbstverständlich kann hierzu kein Fußballtrainer im direkten Sinne beitragen, aber er kann als Sinnbild dafür verstanden werden, was in unserer schnelllebigen Welt noch das Wörtchen “Loyalität” bedeutet – Nix nämlich!
Skibb it – der Nächste bitte!
